Bericht aus dem Frauenforum

Gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution

In der Sitzung des Ulmer Frauenforums am 24.11. 2016 im Club Orange der Ulmer Volkshochschule stellte sich das Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution vor.

 

Dr. Karin Graf gab einen kurzen Rückblick über die Entstehung des Bündnisses

Die Idee dazu kam von Ulla Waterkemper (frühere Leiterin des Frauenbüros), die das Thema mit Manfred Paulus bearbeitete. Initiiert durch die damalige Ministerin Frau Dr. Stolz wurde die Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour“, die auch dieses Jahr im Rahmen des Donaufestes zu sehen war, 2008 in der Ulmer Volkshochschule gezeigt. Daraufhin war auch Dr. Dagmar Engels involviert, der neue Ansatz war nun, das Thema mittels der Donauraumstrategie auf die Agenda zu setzen. Dies ist auch gelungen durch die oben genannte Ausstellung und eine Podiumsdiskussion im Rahmen des Donaufestes 2016 und Treffen mit NGOs während der Schachtelfahrt 2014. Es zeigte sich, dass das Thema komplexer ist, als anfangs gedacht.

 

Diana Bayer stellte die Mitglieder des Bündnisses vor:

Dr. Dagmar Engels (Ulmer Volkshochschule), Solveig Senft (Terre des Femmes und Verein SISTERS), Tanja Wöhrle und Constanze Thelen (AIDS-Hilfe), Dr. Karin Graf (CDU-Fraktion Ulm), Jürgen Filius (Landtagsabgeordneter der GRÜNEN in Ba-Wü), Dr. Monika Stolz (ehemalige Ministerin für Arbeit , Soziales, Familie und Senioren in Ba-Wü) und Manfred Paulus (ehemaliger Kriminalhauptkommissar Ulm) und Diana Bayer (Frauenbüro der Stadt Ulm). Das Bündnis dient vor allem der Vernetzung. Derzeit ist außerdem ein Runder Tisch in Planung, an dem alle Akteurinnen und Akteure, die beruflich mit dem Thema Prostitution zu tun haben, zusammenkommen sollen.

 

Constanze Thelen und Tanja Wöhrle erläuterten die Rolle der AIDS-Hilfe bei der geplanten Beratung der Prostituierten

Seit 2015 riefen vermehrt Männer bei der AIDS-Hilfe an, um sich nach Bordellbesuchen auf AIDS testen zu lassen. Dadurch fiel auf, dass es keine passgenaue, niederschwellige Beratungsstelle für Prostituierte gibt.

Das Konzept zur Beratung von Prostituierten sieht zum einen die medizinische Versorgung (ca. 90% der Prostituierten sind nicht krankenversichert) vor, zum anderen die Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten und AIDS-Tests, auch mobil vor Ort. Für Frauen, die aussteigen wollen, sollen Strukturen aufgezeigt und der Ausstieg durch „kurze Wege“ zum Beispiel zum Jobcenter, erleichtert werden. Auch Streetwork, also aufsuchende Sozialarbeit, und das Angebot von Räumen und „klassischer“ sozialpädagogischer Begleitung gehören dazu.

Die Klientel ist sehr unterschiedlich, es gibt Frauen, die sich freiwillig prostituieren, Zwangsprostituierte und Frauen, die sich aus wirtschaftlicher Not prostituieren (diese Gruppe ist vermutlich die größte).

Der Kontakt zu nicht Deutsch sprechenden Frauen findet teilweise durch Dolmetscherinnen statt, es wurden aber auch mit Flyern und kurzen Filmen, die auf Tablets gezeigt werden, gute Erfahrungen gemacht.

Die Fallzahlen werden im Rahmen des öffentlichen Jahresberichtes der AIDS-Hilfe dokumentiert.

 

Solveig Senft hat mit anderen Frauen, vor allem aus dem Stuttgarter Raum, vor ca. einem Jahr den Verein SISTERS gegründet, der Prostituierte beim Ausstieg unterstützt und Öffentlichkeitsarbeit macht. Sie erläuterte, dass sich durch das Prostitutionsgesetz von 2002 der Prostitutionsmarkt und -tourismus in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, deutlich vergrößert hat. Die Bedingungen für die Frauen haben sich verschlechtert, deutsche Frauen sind kaum noch zu finden. Es ist zunehmend Gewalt im Spiel, trotzdem hat die gesellschaftliche Akzeptanz von Bordellbesuchen zugenommen.

Terre des Femmes  hat ein Positionspapier für ein Sexkaufverbot veröffentlicht.

 

In der anschließenden Diskussion wurde aus dem Publikum nochmals auf die Notwendigkeit der Begleitung beim Ausstieg hingewiesen, da gerade auch die Wohnsitzlosigkeit ein großes Problem darstellt. Auch sollten die Bordellbetreiber über ihre Vorteile bei einer Kooperation mit der Beratungsstelle informiert werden, hier kann das neue Gesetz ein Türöffner sein. Die Männer, die zu Prostituierten gehen, sollten darüber informiert werden, dass die Frauen nicht zwangsweise auf AIDS oder andere sexuell übertragbare Krankheiten getestet werden und ihre eigene Gesundheit somit in Gefahr ist, das könnte Wirkung zeigen. Die Kondompflicht ist schwer zu überprüfen, allerdings kann laut neuem Prostituiertenschutzgesetz der Mann angezeigt werden, wenn er sich weigert, ein Kondom zu benutzen.

Im Anschluss fand eine Veranstaltung mit der Rechtsanwältin Jutta Uchmann aus Karlsruhe statt, die über das neue Prostituiertenschutzgesetz und die Auswirkungen auf Prostituierte, Bordellbetreiber und Verwaltungen informierte.

Den Gesetzentwurf finden Sie unter folgenden Link: https://www.bmfsfj.de/blob/80776/fff4653f9e09d4b313a3606f3cdc0141/prostituiertenschutzgesetz-entwurf-data.pdf

Bericht: Nina Leinmüller

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